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Das bio-psycho-soziale Modell

Wie kann ich lernen, einen einfachen aber ganzheitlichen Blick auf meine eigene Gesundheit zu richten?

Eine Frage, die sich glücklicherweise immer mehr Menschen stellen.

In vielen medizinischen Fachrichtungen wird dazu das bio-psycho-soziale Modell hergenommen - so auch in der Physiotherapie.

Klingt anfangs zwar etwas kompliziert und trocken - doch mit etwas Erklärung ist es meines Erachtens auch super zur selbstständigen Reflexion geeignet.

 

Im heutigen Blogpost möchte ich dir also erzählen, was das Modell beinhaltet und bedeutet. Und danach aufzeigen, wie du das Ganze für dich selbst nutzen und in die Praxis umsetzen kannst.


Das bio-psycho-soziale Modell beinhaltet 3 Ebenen:

 

BIO:

Diese Ebene beschreibt unseren gesamten, physischen Körper mit all seinen Systemen. Wir reden hier also beispielsweise von unseren Muskeln, Knochen, Organen... und deren Funktionen.

Diese biologische Ebene wird in der Medizin durch diagnostische Methoden wie z.B. Röntgenaufnahmen, Tests und Blutbilder quantitativ messbar gemacht - und wir sehen sie quasi jeden Tag im Spiegel und spüren sie bei jeder Bewegung.

 

PSYCHO:

Diese Ebene beschreibt unsere Gefühls- und Gedankenwelt. Unsere Emotionen, Glaubenssätze, (erlernten) Verhaltensmuster und unser Selbstbild. Also auch die Art und Weise wie wir z.B. mit Herausforderungen umgehen ist auf dieser psychologischen Ebene verankert.

 

SOZIAL:

Diese Ebene beschreibt, wie wir mit der Welt die uns umgibt in Verbindung stehen. Also beispielsweise unsere Beziehungen zu Familie, Freund.innen und Kolleg.innen. Aber auch die Kultur in der wir aufwachsen, unser sozialer Status, wie wir wohnen & leben spielen hier eine wichtige Rolle.

 

Ganz wichtig: Bei jedem von uns schauen diese 3 Ebenen somit anders aus und sind quasi individuell & unterschiedlich "befüllt".

Ein anschauliches Beispiel: Wenn ich mir den Fuß breche, ist nicht nur die Wundheilung des Knochens (BIO) allein dafür ausschlaggebend, dass ich in 6 Wochen wieder gut gehen kann. Mein Heilungsprozess wird auch maßgeblich davon mitbestimmt,  ob ich während der Zeit eher sorgengeplagt oder optimistisch bin (PSYCHO) und Unterstützung aus meinem Umfeld erfahre oder von meinem Arbeitgeber eine Kündigung angedroht wird. (SOZIAL).

 

Man merkt bereits bei diesem kleinen Beispiel wie stark die 3 Ebenen sich überschneiden und quasi grenzenlos ineinander verlaufen. Und man realisiert schnell, dass sie sich immer gegenseitig beeinflussen - sowohl positiv als auch negativ!

 

Diese Korrelationen werden zum Beispiel auch im Fachbereich der Psycho-Neuro-Immunologie ganz klar beschrieben und studiert.

Forschungen in diesem ganzheitlichen Bereich sind meines Erachtens super wichtig - denn die ganzen Zusammenhänge sind im Allgemeinen noch viel zu wenig in der Gesellschaft verankert.

Für manche Menschen ist inwzischen zwar halbwegs klar, dass sie durch gewisse aktive Maßnahmen (Ernährungsform, regelmäßige Bewegung, gute Schlafhygiene... aber auch z.B. Medikamente und Operationen) auf die biologische Ebene gut Einfluss nehmen können - hier ist einfach alles am greifbarsten.

Manchmal wird jedoch vor allem im psycho-sozialen Bereich vergessen, dass wir auch hier selbst handeln können, um diese Ebenen verändern und beeinflussen zu können. Wir sind diesen inneren und äußeren Umständen meistens nicht einfach "hilflos" ausgesetzt - auch wenn es sich manchmal vielleicht so anfühlt..


Wie kannst du nun das Wissen um diese 3 Ebenen nutzen, um dich selbstbestimmt für deine eigene Gesundheit einzusetzen?

 

Ganz einfach: Fang an hinzuschauen!

Hinterfrage dein Handeln, deine Lifestyle-Entscheidungen und deine Beziehungen.

Denn oft stellen wir mit einem aufmerksamen & ehrlichen Blick fest, dass wir sehr viel selbst in der Hand haben und somit viel (Positives) in unserem Leben und für unser Wohlbefinden bewirken können.

 

Da ich zu sehr großem Anteil ein visueller (Lern-)Typ bin und Grafiken liebe, hab ich eine Übersicht erstellt, wie du die 3 Ebenen auf einfache Art & Weise für dich reflektieren kannst.

Schreib einfach (am besten ganz ungestört) auf, was dir als erstes einfällt - ohne das Geschriebene zu beurteilen. Versuch jedoch möglichst konkrete Beispiele aufzuschreiben!

Zu jeder Ebene stell dir diese 3 Fragen:

1) Was läuft bereits gut?

(z.B. ausgeglichene Ernährung mit hohem Gemüseanteil, 3x pro Woche Laufen, stabiles familiäres Netzwerk, Arbeitsplatz der mir gefällt...)

2) Wo gibt es noch Potenzial und wo braucht es noch mehr Aufmerksamkeit von mir?

(z.B. hoher Fleischkonsum, oft Gedankenkreisen, schlechter Schlaf, Kommunikation mit Kolleg.innen schwierig..)

3) Was kann ich selbst aktiv dazu beitragen, damit ich mich hier noch weiterentwickeln kann?

(Bsp. immer Mo + Do Krafttraining einbauen, immer Fr fleischfreier Tag, abends 10 Minuten Tagebuch schreiben...)

Vielleicht sind ein paar Aha!-Antworten dabei, die dich weiterbringen. Eventuell werden dir nun klare Schritte bewusst, die du selbst auf deinem Lebensweg gehen kannst. Oder du erkennst, wo du vielleicht noch Tipps & Unterstützung von Außen brauchst z.B. Physiotherapie, eine Ernährungsberatung oder Mentales Training.

 

Eins sei hierbei noch erwähnt: Die 3 Ebenen sind stets im Wandel (so wie auch unsere Tagesverfassung) und können sich auch - manchmal langsam, manchmal schnell - ändern.

Eine Reflexion ist auch immer nur eine individuelle Momentaufnahme.

 

Hier kannst du die Vorlage als PDF herunterladen.

Download
Für den ganzheitlichen Blick:
Reflexion_BPS-Modell.pdf
Adobe Acrobat Dokument 192.5 KB

Natürlich kannst du auch selbst kreativ werden und dir eine eigene Übersicht gestalten, die für dich ansprechend ist. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch! :)

Bei weiteren Fragen zum bio-psycho-sozialen Modell, dieser Reflexionsmethode oder aber wenn du noch Input zum Setzen von gewissen Schritten brauchst melde dich gerne bei mir.

 

Viel Freude beim Anwenden!

Alles Liebe,

Felicia

Kommentare: 1
  • #1

    Tina (Freitag, 01 Mai 2020 15:17)

    mega gut beschrieben - Danke :)
    uns super kurzweilig zu lesen
    echt tolle auffrischung lissy!